Die Vernissage mit Stadtpräsidentin Corine Mauch
 Begrüssung durch Stadtpräsidentin Corine Mauch |
Die Bedeutung Marie Meierhofers für die Kinder und die Stadt
Zürich
Zürich ist stolz auf Johann Heinrich Pestalozzi. Nach ihm haben wir eine
Parkanlage benannt und ihm haben wir an der bekanntesten Zürcher Strasse, an der
Bahnhofstrasse ein Denkmal gesetzt. Was Pestalozzi für das 19. Jahrhundert war,
das aber war im 20. Jahrhundert die Zürcher Ärztin Marie Meierhofer. Marie
Meierhofer hat Erziehungsgeschichte geschrieben. Und viel zu wenige wissen
davon!
Marie Meierhofer entwickelte als Wissenschaftlerin ein modernes und
noch heute gültiges Konzept der Gesundheitsförderung. Ihre Ideen und
Forschungsergebnisse haben Eingang gefunden in die Erziehungs- und
Gesundheitswissenschaften, ohne dass sich die Fachleute dessen so richtig
bewusst sind. Sie hat eben nie besonders Wert darauf gelegt berühmt zu werden.
Es ging ihr um das Wohlergehen der verlassenen, vernachlässigten und der
sogenannt schwierigen Kinder.
Marie Meierhofer war im 2. Weltkrieg als
Rotkreuz-Ärztin in Frankreich im Einsatz, wo sie kriegsgeschädigte und
traumatisierte Kinder betreute und beschützte. Dabei setzte sie sich nebst den
medizinischen und überlebenspraktischen Problemen intensiv mit der Frage
auseinander, wie eine kindergerechte Betreuung aussehen soll. Sie interessierte
sich für die psychische Gesundheit der Kinder, die für sie genau so wichtig war
wie die körperliche Gesundheit.
Ihre Ideen entwickelte Marie Meierhofer in
einer Zeit, in der Erziehende und Betreuende sich allein auf richtige Ernährung
und Hygiene, auf Gehorsam und Disziplin konzentrierten. Ganz anders Marie
Meierhofer: sie nahm bewusst die Perspektive der Kinder auf und überprüfte ihre
Konzepte daran. Damit leistete sie Pionierarbeit.
Als Wissenschaftlerin
und als Ärztin erkannte sie, dass das familiäre und soziale Umfeld der Kinder in
der Behandlung und Prävention von psychischen Störungen eine entscheidende
Rolle spielt. Damit begründete sie ein Konzept, das heute in der
Gesundheitswissenschaft unter dem Titel „Verhältnisprävention“ grosse
Beachtung findet. Marie Meierhofer formulierte diesen Perspetivenwechsel 1958 in
einem NZZ-Artikel so: „Die Kleinen sollen in Rekordzeit gehen und sprechen
lernen, möglichst bald reinlich sein, gute Manieren haben und sich den
Menschen anpassen können. Die Reifung des Menschenkindes braucht jedoch Zeit und
eine entsprechende Umwelt.“
Unermüdlich hat Marie Meierhofer auf einen
Umstand hingewiesen, der aus heutiger Sicht selbstverständlich ist: Kinder
brauchen schon von klein auf soziale Beziehungen, um sich gesund entwickeln zu
können. Sie stellte den Zusammenhang her zwischen Umweltfaktoren und
Gesundheit, der heute unter dem Titel „Gesundheitsdeterminanten“
hochaktuell ist. Was Kinder gesund erhält, ist nicht allein die medizinische
Versorgung, sondern es sind in erster Linie die Lebensverhältnisse, in denen sie
aufwachsen. Oder um ein praktisches Beispiel zu geben: Übergewicht im
Kindesalter korreliert mit den Bildungschancen des betroffen Kindes.
Als
Stadtärztin sorgte Marie Meierhofer für frischen Wind in den Zürcher
Kinderheimen, als Publizistin wandte sie sich auch direkt an die Eltern. Nicht
Zucht und Ordnung bräuchten die Kinder, sondern Zuwendung und stabile
soziale Beziehungen, erklärte sie. Was würde Marie Meierhofer wohl zur
laufenden Debatte um Jugendgewalt und die Verschärfung des Jugendstrafrechts
sagen? Geschwiegen hätte sie nicht, da bin ich mir sicher. Und eine kluge
Antwort hätte sie gehabt.
Marie Meierhofer war wichtig für Zürich und
Zürich war wichtig für sie. Sie gründete hier das Institut für
Psychohygiene im Kindesalter, das heutige Marie Meierhofer Institut für das
Kind, wo bis heute praxisnahe Forschung betrieben wird. Bei den
Forschungsschwerpunkten standen und stehen konsequent die Bedürfnisse der
Kinder im Zentrum.
Noch vor wenigen Jahren war es für Familien mit Kindern
fast selbstverständlich, dass sie sich einen neuen Wohnsitz ausserhalb der
Stadt suchten. Viele Eltern fühlten sich verpflichtet, „ins Grüne“ zu ziehen, um
ihren Kindern ein Aufwachsen in der „kinderfeindlichen“ Stadt zu ersparen.
Inzwischen finden Kinder und ihre Eltern in Zürich gute Lebensbedingungen. Dank
verkehrsberuhigter Strassen und Plätze können Kinder vielerorts gefahrlos im
Freien spielen, sich bewegen und soziale Kontakte knüpfen. Das Angebot an
Krippen, Horten und Tagesschulen ist nirgendwo besser als in der Stadt Zürich.
Kinder finden hier ein grosses Angebot an Sport, Kultur und anderen
Freizeitaktivitäten. Sie können bei der Gestaltung von Spiel- und
Schulhausplätzen mitreden. Kinder sind in Zürich willkommen.
Die Stadt
Zürich ist stolz auf Marie Meierhofer und ehrt sie mit einer Wegbenennung. Ein
Denkmal oder eine Gedenktafel fehlt – noch, füge ich an. Aber dafür dürfen wir
heute in Zürich die Ausstellung über eine grosse Zürcher Persönlichkeit, über
Marie Meierhofer eröffnen.
Diese Ausstellung zu eröffnen, macht mir grosse
Freude. Der Stiftung „Archiv Marie Meierhofer“ und dem Marie Meierhofer
Institut danke ich herzlich für ihre Initiative und für die Beharrlichkeit, mit
der sie das Werk dieser wichtigen Zürcherin würdigen und erweitern. So wird
sie hoffentlich den Platz in der Geschichte erhalten, der ihr gebührt.

Begrüssung durch den Stiftungsratspräsidenten Dr. iur. Marco Hauser

Die Ausführungen von Corine Mauch

Frau Mauch erhält von „Bauleiter“ als Dank einen Bauhelm mit der
Aufschrift „Zürich baut für Kinder“

Der Helm soll Frau Mauch durch möglichst viele Amtsperioden hindurch
durch alle Widrigkeiten schützen. Zudem ist der Helm mit dem Wunsch verbunden,
dass Zürich möglichst viel für Kinder unternimmt.

Frau Mauch und Marco Hauser durchschneiden das
Band