Vernissage

  • Begrüssung durch den Stiftungsratspräsidenten Dr. iur. Marco Hauser
    Begrüssung durch den Stiftungsratspräsidenten Dr. iur. Marco Hauser
  • Die Ausführungen von Corine Mauch
    Die Ausführungen von Corine Mauch
  • Frau Mauch erhält von „Bauleiter“ als Dank einen Bauhelm mit der Aufschrift „Zürich baut für Kinder“
    Frau Mauch erhält von „Bauleiter“ als Dank einen Bauhelm mit der Aufschrift „Zürich baut für Kinder“
  • Der Helm soll Frau Mauch durch möglichst viele Amtsperioden hindurch durch alle Widrigkeiten schützen. Zudem ist der Helm mit dem Wunsch verbunden, dass Zürich möglichst viel für Kinder unternimmt.
    Der Helm soll Frau Mauch durch möglichst viele Amtsperioden hindurch durch alle Widrigkeiten schützen. Zudem ist der Helm mit dem Wunsch verbunden, dass Zürich möglichst viel für Kinder unternimmt.
  • Frau Mauch und Marco Hauser durchschneiden das Band.
    Frau Mauch und Marco Hauser durchschneiden das Band.

Die Vernissage mit Stadtpräsidentin Corine Mauch

Die Bedeutung Marie Meierhofers für die Kinder und die Stadt Zürich

Zürich ist stolz auf Johann Heinrich Pestalozzi. Nach ihm haben wir eine Parkanlage benannt und ihm haben wir an der bekanntesten Zürcher Strasse, an der Bahnhofstrasse ein Denkmal gesetzt. Was Pestalozzi für das 19. Jahrhundert war, das aber war im 20. Jahrhundert die Zürcher Ärztin Marie Meierhofer. Marie Meierhofer hat Erziehungsgeschichte geschrieben. Und viel zu wenige wissen davon!
Marie Meierhofer entwickelte als Wissenschaftlerin ein modernes und noch heute gültiges Konzept der Gesundheitsförderung. Ihre Ideen und Forschungsergebnisse haben Eingang gefunden in die Erziehungs- und Gesundheitswissenschaften, ohne dass sich die Fachleute dessen so richtig bewusst sind. Sie hat eben nie besonders Wert darauf gelegt berühmt zu werden. Es ging ihr um das Wohlergehen der verlassenen, vernachlässigten und der sogenannt schwierigen Kinder.
Marie Meierhofer war im 2. Weltkrieg als Rotkreuz-Ärztin in Frankreich im Einsatz, wo sie kriegsgeschädigte und traumatisierte Kinder betreute und beschützte. Dabei setzte sie sich nebst den medizinischen und überlebenspraktischen Problemen intensiv mit der Frage auseinander, wie eine kindergerechte Betreuung aussehen soll. Sie interessierte sich für die psychische Gesundheit der Kinder, die für sie genau so wichtig war wie die körperliche Gesundheit.
Ihre Ideen entwickelte Marie Meierhofer in einer Zeit, in der Erziehende und Betreuende sich allein auf richtige Ernährung und Hygiene, auf Gehorsam und Disziplin konzen­trierten. Ganz anders Marie Meierhofer: sie nahm bewusst die Perspektive der Kinder auf und überprüfte ihre Konzep­te daran. Damit leistete sie Pionierarbeit.
Als Wissenschaftlerin und als Ärztin erkannte sie, dass das familiäre und soziale Umfeld der Kinder in der Behandlung und Prävention von psychischen Störungen eine entschei­dende Rolle spielt. Damit begründete sie ein Konzept, das heute in der Gesundheitswissenschaft unter dem Titel „Ver­hältnisprävention“ grosse Beachtung findet. Marie Meierhofer formulierte diesen Perspetivenwechsel 1958 in einem NZZ-Artikel so: „Die Kleinen sollen in Rekordzeit gehen und sprechen lernen, möglichst bald reinlich sein, gute Manie­ren haben und sich den Menschen anpassen können. Die Reifung des Menschenkindes braucht jedoch Zeit und eine entsprechende Umwelt.“
Unermüdlich hat Marie Meierhofer auf einen Umstand hingewiesen, der aus heutiger Sicht selbstverständlich ist: Kinder brauchen schon von klein auf soziale Beziehungen, um sich gesund entwickeln zu können. Sie stellte den Zu­sammenhang her zwischen Umweltfaktoren und Gesund­heit, der heute unter dem Titel „Gesundheitsdeterminanten“ hochaktuell ist. Was Kinder gesund erhält, ist nicht allein die medizinische Versorgung, sondern es sind in erster Linie die Lebensverhältnisse, in denen sie aufwachsen. Oder um ein praktisches Beispiel zu geben: Übergewicht im Kindesalter korreliert mit den Bildungschancen des be­troffen Kindes.
Als Stadtärztin sorgte Marie Meierhofer für frischen Wind in den Zürcher Kinderheimen, als Publizistin wandte sie sich auch direkt an die Eltern. Nicht Zucht und Ordnung bräuchten die Kinder, sondern Zuwendung und stabile sozi­ale Beziehungen, erklärte sie. Was würde Marie Meierhofer wohl zur laufenden Debatte um Jugendgewalt und die Verschärfung des Jugendstrafrechts sagen? Geschwiegen hätte sie nicht, da bin ich mir sicher. Und eine kluge Ant­wort hätte sie gehabt.
Marie Meierhofer war wichtig für Zürich und Zürich war wich­tig für sie. Sie gründete hier das Institut für Psychohygiene im Kindesalter, das heutige Marie Meierhofer Institut für das Kind, wo bis heute praxisnahe Forschung betrieben wird. Bei den Forschungsschwerpunkten standen und ste­hen konsequent die Bedürfnisse der Kinder im Zentrum.
Noch vor wenigen Jahren war es für Familien mit Kindern fast selbstverständlich, dass sie sich einen neuen Wohn­sitz ausserhalb der Stadt suchten. Viele Eltern fühlten sich verpflichtet, „ins Grüne“ zu ziehen, um ihren Kindern ein Aufwachsen in der „kinderfeindlichen“ Stadt zu erspa­ren. Inzwischen finden Kinder und ihre Eltern in Zürich gute Lebensbedingungen. Dank verkehrsberuhigter Strassen und Plätze können Kinder vielerorts gefahrlos im Freien spielen, sich bewegen und soziale Kontakte knüpfen. Das Angebot an Krippen, Horten und Tagesschulen ist nirgendwo besser als in der Stadt Zürich. Kinder finden hier ein grosses Angebot an Sport, Kultur und anderen Freizeitaktivitäten. Sie können bei der Gestaltung von Spiel- und Schulhausplätzen mitreden. Kinder sind in Zürich willkommen.
Die Stadt Zürich ist stolz auf Marie Meierhofer und ehrt sie mit einer Wegbenennung. Ein Denkmal oder eine Gedenktafel fehlt – noch, füge ich an. Aber dafür dürfen wir heute in Zürich die Ausstellung über eine grosse Zürcher Persönlichkeit, über Marie Meierhofer eröffnen.
Diese Ausstellung zu eröffnen, macht mir grosse Freude. Der Stiftung „Archiv Marie Meierhofer“ und dem Marie Meier­hofer Institut danke ich herzlich für ihre Initiative und für die Beharrlichkeit, mit der sie das Werk dieser wichtigen Zürche­rin würdigen und erweitern. So wird sie hoffentlich den Platz in der Geschichte erhalten, der ihr gebührt.

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